Worte von Astarte

( = Wissensbrief 5 )


1.1 Zu allem Anfang war nur dunkles Chaos, stumm und trüb, raumlos ohne Grenzen, ewig und ohne Zeit;

1.2 hervorgegangen aus raumloser Unendlichkeit und zeitloser Ewigkeit.

1.3 Der Geist aber entbrannte in Liebe zu seinen eigenen Ursprüngen; und nachdem er sich mit diesen vereinigt hatte, entstand daraus die Liebe - und das war der Beginn aller Weltenentstehung.

2. Wenn das Licht aus dem Jenseits sich Weg in das Diesseits bahnt, dann kommt oft die Finsternis, die Lichtbahn zu stören. Wer dem Licht sich verbindet, wird der Finsternis Feind. Die Mächte des Bösen umlauern ihn da.

3. Die Menschen sind Schatten der Götter; sie handeln nach ihrem Belieben. Ihrer ist das Verdienst an dem Licht, ihrer ist die Schuld an der Finsternis. Was immer widerfährt dem Menschenwesen: verantworten tut es dies selbst. Keiner schiebe es auf die Gottheit.

4.1 Des Menschen Leib, der aus irdischen Stoffen gemacht ist, zerfällt wie alles, was irdischer Art ist;

4.2 Geist und Seele des Menschen aber sind nicht irdischer Art, sondern rein geistigen Wesens und also ewig und unauslöschbar wie die Kraft des Lebens selbst.


Worte im Spiegel

(=Die Diesseits-/Jenseits- Grenze)


S. 1 Von der Ferne kamen wir; in die Ferne sind wir gegangen; in die Ferne gehen wir wieder;
S. 2 und jene Ferne liegt jenseits des großen Spiegels.
S. 3 Aus seinem Wasser tranken wir einst das Leben; in seinem Lichte wurden wir wach. Ewiglich sind wir nun - in jener, in dieser, in aberjener Welt.
S. 4 Unauslöschlich stehen unsere Namen,
S. 5 unsichtbar sind wir in uns.
S. 6 Und wie wir so sind, tragen wir unsere Kleider, Körper, in welchen wir sind.
S. 7 Was aber wir sind, das ist nicht das Kleid, ist nicht die Haut, ist nicht das Fleisch, ist nicht das Blut - ist das Selbstsein von jenseits des Spiegels.
S. 8 So ist das hier Unsichtbare das dort Wirkliche und das dort Wirkliche das hier Unsichtbare.
S. 9 Nichts nehmen wir in die nächste Welt mit von dem, was sich hier greifen lässt, alles aber, was sich nicht greifen lässt - an Gedanken und an vollbrachten Taten.
S.10 Und nach alledem hier Unsichtbaren, welches wir mitnehmen in die andere Welt, nach dem wird das Mass uns angelegt werden für unsere neuen Kleider im Jenseits des grossen Spiegels.
S.11 Denn die Form ist ewig, welche die unsere ist,
S.12 der Name ist ewig, den wir tragen,
S.13 das Leben ist ewig, das wir durchwandern,
S.14 das Fühlen ist ewig, das uns bestimmt,
S.15 die Art der Leibeskleider aber wechselt von Welt zu Welt, einerjeden gemäss;
S.16 denn einmalig nur durchwandern wir diese Welt,
S.17 nach dieser aber noch viele andere, bis schließlich die Heimat wir schauen.
S.18 Von der Ferne her sind wir gekommen, in die Ferne kehren wir heim; jenseits des großen Spiegels.
S.19 Und wie ein Spiegel das Bild umkehrt; so ist auch das Jenseits ein Abbild des Diesseits und das Diesseits ist ein Abbild des Jenseits; und doch auch von vollkommen anderer Art.
S.20 Das Sterben aber ist ein Augenblick bloß in der Ewigkeit unseres Seins, gleich der Geburt.
S.21 Die Kleider wechseln wir nur.
S.22 Der Kampf aber währt fort.
S.23 Erkennet, was ist - so werdet ihr bestehen.
S.24 Es sind aber welche, die durch den Spiegel gegangen, und nicht verstanden.
S.25 Solche, die sich zurücksehnen nach der Erdenwelt,
S.26 die dringen ein oft in irdisch noch lebende Menschen, um sich ihrer irdischen Sinne wohl zu bedienen.
S.27 So geschieht mitunter, dass einer meint, neugeboren zu sein auf der Erde, weil an gar Altes er sich erinnern kann -
S.28 ist aber doch nur das, was des Dahingegangen Erinnerung ist, der Besitz hat ergriffen von ihm.
S.29 Denn einmalig ist das Durchwandern der Erdenwelt für eine Jede und für einen Jeden -
S.30 jenseits des Spiegels nimmt Fortgang das ewige Leben;
S.31 in einer ganz anderen Welt.
S.32 Wer durch den Spiegel blickt von der anderen Seite in diese, der sieht die Bilder des Geistes aller da:
S.33 Der Menschen und der Tiere und der Pflanzen, und sieht auch alles was da gedacht wird -
S.34 denn Gedanken sind Bilder.
S.35 Auf der Scheide des großen Spiegels aber liegen die Welten des Schlafes.
S.36 In ihnen ruhen die Seelen der Menschen sich aus;
S.37 dort begegnen sie ihren Schatten.
S.38 Aus der Ferne sind wir gekommen -
S.39 in die Ferne werden wir gehen,
S.40 heimgehen in die Welten jenseits des Spiegels.


Wola 1

( Bruchstück 1 )


1. Den Weg habe ich nicht gesehen, wohl aber das Ziel. Hinter den Wolken des Himmels liegt es, hinter dem Auslauf der Sterne ist es; keiner schaut es mit irdischem Auge.
2. Die Zeit habe ich gesehen, nicht aber den Pfad. Gerade Bahn scheint sie zu haben, von Anfang bis Ende zu führen - und ist doch ein Ring. Des eigenes Anfangs und Endes vergass sie, die Zeit.
3. Die Räume habe ich gesehen, nicht aber die Wege hindurch. Die Räume umschließt der Zeiten Ring, umschließt sie von allen Seiten zugleich - so wird beides zu Kugelform.
4. Der Gedanken habe ich viele gesehen, doch nicht deren Wege. Viele Bilder entstehen, wo Gedanken sind. Sie wandern über den Himmel und über den Zeitlauf hinaus - so bauen sie ihr eigenes Land.
5. In die Gefilde der Träume habe ich geschaut, die Pfade darin aber entdeckte ich nicht. Während der Stunden des Schlafes lösen die Geister der Menschen sich aus den Leibern, um nach Traumland zu gehen; viele verirren sich dort, manche tauschen einander.
6. Das Ziel aller Wege habe ich gesehen: es liegt hinter allem, was ist, im ewigen Licht.
7. Die Wege indessen, die habe ich nicht gesehen - denn es gibt sie nicht. Ein jeder Mensch ist sich selbst sein Weg. Er findet ihn, findet er sich.


Wola 2

( Traumland )


1. Vielen gehört es, einjeder baut daran, Besucher durchwandeln es nächtens, sich begegnend, sich suchend, sich fliehend. Traumland, nenne ich es.
2. Geheimnisvoll ist es, darin zu wandern; aufregend, über seine Grenzen zu schauen - denn von dort reicht der Blick in die andere Welt, die kein Erdenmensch sonst erkennt.
3. Fünf Wiesen hat Traumland, fünf Wälder, fünf Gebirge, fünf Täler, fünf Seen, fünf Flüsse, fünf Meere und fünf Himmel. Fünffach ist Traumland beschaffen.
4. Das erste ist nahe. Jeder kennt es: Es entsteht in ihm selbst. Das zweite ist nicht ferne. Es entsteht in einem anderen, und ein wieder anderer kann es besuchen. Das dritte liegt weiter. Es wechselt die Zeit und den Lauf des Lebens. Das vierte ist ferne. Es reicht an die Enden der Zeit; es stößt an die Ränder allens, was ist. Das fünfte aber reicht bereits in völlig andere Welten, in solche, wie kein Mensch der Erde sie betritt.
5. Während des Schlafens aber stehen die Traumländer dem Ruhenden offen. Weit wandert sein Geist. Vieles sieht er, manches versteht er - einiges nimmt er sich mit.


Wola 3

( Traum )


1. Fünf Treppen führen hinab aus dem Tag in die Nacht; fünf Treppen in die fünf Räume des Schlafes, die fünf Arten des Wanderns des schlummernden Geistes, der erwachet im schlafenden Körper und auszieht auf Zeit.
2. Wenn die Seele ermattet vom stets ungewohnt bleibenden Tragen des schwerstofflich - irdischen Leibes, wenn also Schlaf den Menschen auf der Erden überkommt, auf daß die Seele sich ausruhe für den anderen Tag, so ist aber der Geist, der ewig muntere, wach.
3. Und er, der Geist aber, sucht sich Zeitvertreib. Auszieht er aus dem schlafenden Leib, unternimmt manche Wanderung, besucht andere Seelen, erlebt, was andere Menschen erleben - auf Erden und wohl auch in anderer Welt.
4. Was ihr erinnert am anderen Tage, das nennt ihr dann Träume! Und doch: Euer Geist hat all dies wahrhaftig erfahren.
5. Und wie euer Geist euch verlassen hat können beim Schlafe, so können andere Geister zu euch kommen auf kleine Weile. Gar Fremdes gewahrt ihr dann in dem, was ihr Traum wähnt.
6. So merkt euch, daß nichts was ihr sehen könnt, sei's im Wachen, in Gedanken oder im Schlafe, nicht auch wäre; denn alles ist, was Form bildet irgendwie oder irgendwo.
7. Mancheiner hat weite Reisen im Schlaf schon getan - Reisen an ferne Orte, in ferne Zeiten, nach fernen Welten. Und alles war Wirklichkeit, weil es nichts gibt, was nicht wirklich wäre.
8. Was ihr, erwachend, erinnert von Träumen, ist allzumeist Bruchteil bloss dessen, was gewesen war, vermengt auch womöglich mit allerlei Eindrücken verschiedener Geistesreisen.
9. Nicht wichtig ist es für euer irdisches Dasein, um den Sinn der Traumreisen zu wissen, doch nützlich kann's sein. Denn euer Geist sucht sich Ziele, während eure Seele mit dem Körper schlummert, die seine Sehnsucht sind und anderes mehr.


Wola 4


1. Habt ihr die lichten Wolken gesehen? Weißen Vögeln gleichend ziehen sie dahin mit schweigenden Schwingen. Von Thale kommen sie her.
2. Vieles kündet ihr Spiegelbild, manches kündet ihr Schatten. So sprechen wortlos die Wolken von Thale. Boten sind sie, Zeichen sind sie; achtet der Formen des Winds, der sie bläst.
3. Ein Bild will ich euch deuten, das herbeischwebte auf der Wolken Flügel; ein seltsames Bild aus uralten Tagen. Hört es und schaut:
4. Ein Gebirge aus silbernem Eis zeig' ich euch und ein Stadt, gebildet aus blauen Palästen, schimmernden Zinnen, hochragenden Tempeln; von weiten Wassern umspült.
5. Eine Insel, auf der alles dies steht zeig' ich euch; einsam im höchsten Norden. Die Spitze des Weltenberges seht ihr von dort.
6. Eines Turmes Höhe will ich euch zeigen. auf jener Insel steht er, fest ist sein Sockel, stark seine Mauer, einzig seine Pracht aus blauem Kristallstein erbaut. Riesen schufen ihn einst, große Geister. Ihre Kinder sind wir.
7. Einen Wagen aus Silber und Gold will ich euch zeigen. Von Küste zu Küste durchkreuzt er die Insel; blaugrünes Feuer ist ihm vorgespannt. Niemals hält er inne.
8. Einen kostbaren Hafen zeig ich euch mehr; aus klarem Eis ist er gehauen.
9. Darin warten hurtige Schiffe; so groß wie Dörfer gebaut manche von ihnen. Bald werden sie segeln.
10. Ein schlimmes Wetter will ich weiter euch zeigen. Es kommt mit gierigem Finger von kaltem Gebein; umschließt die Insel, drängt herbei über das Meer - grausam und wesenlos.
11. Eine kalte Sonne will ich ferner euch zeigen; blaß hängt sie unter dem Himmel, kaum wärmt sie das Land. Die Frucht erstarrt auf den Feldern, weiße Nebel ersticken der Bäume Geäst - nicht grünen sie mehr.
12. Zeit ist's, zu bemannen die Schiffe, zu suchen die See, zu fliehen die Insel. Als weißer Berg bleibt bald sie zurück wild und karg; keine Spur mehr des Lebens, kein Zeichen, was war.
13. Ein Geheimnis zeigt ich euch so - keiner kennt es, niemand findet es auf: Der Ahnen Wohnsitz war es gewesen.


Athiahe 1


1. Das Grau des Vergessens seht ihr, dichten Schleier, steinerne Wand. Des Nichtmehrfühlens verwelcke Blume stellt ihr euch auf, dürren Halm, wesenlos längst.
2. Der offenen Münder Sprachlosigkeit lauscht ihr, der stummen Stimme, die verklang. Des losen Sandes Menge wollt ihr sammeln in offenen Händen, rasches Verfliegen, haltloses Tun.
3. Mit kühlen Fragen schleppt ihr euch ab wie mit nassen Säcken, ziellos getragen, eitel geschnürt. Die Antworten findet ihr nicht; Die Antworten geben die Götter, kein Mensch.
4. Der Götter zu glauben ist glauben, nicht wissen - so sprecht ihr. Ich aber sage euch: Nichts wißt ihr noch werdet jemals ihr wissen; was zu wissen ihr vermeint, das glaubt ihr doch bloß. Im glauben der Götter ruht die Gewißheit.
5. Was Menschenwerk zu Menschenwerk trägt und fügt, das bleibt klein. Wo aber Gotteskraft durch den Menschen wirkt, mit Glaubensgewißheit - da gedeiht Großes.


Athiahe 2


1. Es sind der Gedanken Bilder, welche nach Grünland hinüberreichen, die Bilder, die ihr schickt, werden gesehen; sie sind Gebete.
2. Denn des Jenseits Wesen sehen die Bilder der Gedanken der Menschen. Gute Gedanken rufen Gutes herbei, böse Gedanken aber Böses;
3. Wesen sind die Kraft des Jenseits, Wesen mit Namen und Willen und Eigenperson - fast wie Menschen sind. Gute gibt es und Böse da, Wesen des Lichts und Wesen der Finsternis. Wie ihr denkt und also seid - so ruft ihr gemäße Mächte herbei.
4. Hütet euch daher vor bösen Gedanken oder gar bösen Taten; denn die Wesen des finsteren Jenseits lauern euch sonst auf.