Aus dem Lichte des Mondes, aus dem Dunkel der Nacht,
kommst Du herbei, Schwester Isai',
die Du immer uns gesehen, die Du unser stets gedacht.
Nach ihrer Rückkehr aus Ninive, in den Jahren 1226 bis 1228 am Ettenberg, am Fuße des Untersbergs ...
(Archiv I, Templer-Erbengemeinschaft, Frühjahr 2002)
Wahr sprech' ich - euch zum Gehör. Bild geb' ich - euch zum Gesicht; rede
Kenntnis
und Weisheit, allumspannend, von Voranfang bis Endesend. Rede nicht
Gleichnis
noch Sinnbild, nicht umwegend' Wort, klar geb' ich kund, was war, was ist.
Menschwesen, da erdverbunden, dem Sterben geweiht - und unsterblich
zugleich;
Gestirnenkinder, himmlisch gebor'ne vieltausendfach älter als darhier die
Welt.
Lichtmachtsöhne und Töchter des Glanzes, Himmelsbewohner, sich im Dunkel
verlor'ne, lichtlebendig - und doch dem Schatten erlegen; ewiglich - und
doch vom
Sterben nicht frei. Wanderer über den Graten der Welten, neu
diesseitsgeboren -
wieder jenseitsbestimmt. Götterkinder, doch göttergleich nicht. Noch
vielsagend mehr
gibt es über die Menschen; Alt ihr Geschlecht - jung ihre Welt.
Ungeboren das Menschenwesen, seit Voranfang da - wird immerzu sein.
Voranfang
war, da aus Vorewigkeit alles gegeben; nicht Raum war noch Zeit. Wesenlos
schlummernd die Wesen da alle, ehe Allvater sich ihrer erbarmte, schuf
meßbare Zeit,
schuf Räume, durchwanderbar: Himmelswelten.
Dort hinein sanken die Samen der Wesen; Ewigkeit war geworden aus
Vorewigkeit,
Anfang dem Voranfange entsprossen.
Herabneigte Allvater sich, der Wesen zu sorgen. Lebenskraft
spendend, seelentfachend, geisterweckend. Wach ward da
Himmelwelts Leben und Weben.. erkennend die Wesen sich nach
ihrer Art: Waren solche, wie später Menschen wurden, waren
solche, wie wurden Getier, waren solche wie Pflanzengrün und
waren Dämongeister.
Und alles doch nicht, wie heut' die Erde es kennt, was den
Himmelswelten entfallen. Ist ja himmelentsprungen, was im
Irdischen lebt, geflohenhabend einst Allvaters Licht, gesuchtgabend
fremde Schatten - ahnungslos. Denn ein Schattenfürst sich erhob
wider die Weiten des Himmels, Allvater zu trotzen. Ein
Schattenreich sich der Schattenfürst schuf ferne den Himmeln: Die
finstere Höll. Leerenendlosigkeit zwischen diesen Welten sich
dehnt; keiner, der da versöhnte. Auf der Mitte indes, zwischen
Dunkel und Licht, mächtige Geister sich Walhall erbauten. Dort
leben Allvaters kühne Götter, Immerkampf herrscht zwischen ihnen
und Höll. Abfielen aber aus Himmelswelten zahlreiche Wesen,
ahnungslos anzuschauen die Höll. Später sie wurden die
Menschen. Solche alle in Ohnmacht versanken, vergessend des
eigenen Namens, vergessend allens, was war.
Für diese Gefall`nen Allvater frisch erschuf neue Weltenheit:
Erdenreichs Diesseits mit dem All der Gestirne, zur Abergeburt den
verlorenen Scharen, Wanderweg bis ans irdische Sterben und
Pforte zur himmlischen Heimkehr. Jenseitsweltenbogen gab
Allvater hinzu den Menschenverfall'nen; Brücke für deren
Wiederkehr.
Die Weltenheiten nenn' ich euch nun alle, wohlerschaff'ne,
allvatergefügt: Zu oberst die Himmelswelt ewigen Lichts, Allvaters
Reich, aller Wesen ursprüngliche Heimstatt. Das allumschließende
Gründland dann ist keine Weltenheit, die es nicht umspannte,
diesseits wie jenseits des großen Spiegels.* Darin auch die Höll ist,
die finstere, grause; blutbrennend, Ekel endloser Qual. Inmitten
Grünlands Walhall hat seinen Ort; starke Feste, herrliche Burg.
Diesseitsweltenheit auch schwebt im Grünen Land, mit &er Erde und
den leuchtend Gestirnen. Ebenso sich spannt da der Jenseitswelten
vielfarbiger Bogen von himmelhoch bis nieder zur Höll. Gar zahlreich
sind die Welten dort drüben, zu durchwandern nach irdischem
Sterben den Menschen. An Grünlands Rand, fern, liegt ein
unheimlich Reiche: Die graue Gracht der Dämonen; oft fürchterlich,
doch auch still. Die Schlafwelten gibt es in Grünland mehr und auch
der Versunkenen schweigendes Tal.
Die Erdenbewohner kommen von dort, keimlinggleich erst, diese
Weit zu durchstreifen, Heimkehr zu gewinnen.
Wahr sprech' ich, rede Kenntnis und Weisheit, lehre Wissen und
Weg euch mit klarem Wort. In Himmelswelten wohnt Allvater mit
seinen Getreuen. In der Höll haust der finstere Schattenfürst, der
Verworfene, der Verderber: Schaddain* ist sein Name. In Walhall
herrschen die heiteren Helden. die Götter mit ihren Frauen.
Gastrecht bei ihnen Ischtara hat, Allvaters Botin. Die Einheriar gehen
dort ein und aus, die doppelt Unsterblichen, Geschwister mein.
In das Diesseits alle Menschen gelangen, mit ihnen Getier und
Gewächs, Erdensein zu durchwandern. Der Jenseitswelten weiter
Bogen ihnen Weg bietet nach irdischem Sterben. Einjeder wählt sich
seine Bahn.
In Gründlands Gefilden alle können sich treffen: Gute und Böse,
jedwede Art. Isais, die euch belehrt, hat dort ihr Amt.
Nächtens im Schlaf euer Geist aus dem Leibe sich hebt, zu
durchschweifen die Schlummerwelten. Gar manches begegnet sich
da, tauscht mitunter sich aus auf Zeit. Hochauf mancher Geist strebt
auch hellichten Tags.
Schwingung vom 3enseits mag zu ihm sprechen, Botschaft zu
geben. Doch warn ich: Oft solches ist Trug.
Aufmerkt, Menschenwesen, Erdnachgeborene!
Und schaut: Nicht hier liegt der Anfang. Hört. Wahr sprech' ich
euch und in deutlichem Ton, gebe euch Rat.
Krieg ist im Reigen der Zeitenläufe, seit Schaddain sich wider
Allvater aufwarf. Platz findet, Raum greifet, wo des Helden
Schwert wird gebraucht, wo nach kühner Tat ist verlangt. Ort
wisset ' weicher der eure ist. Wer zögert, der duldet - wer duldet
läßt obsiegen Höll. Sanft biete Gruß dem Sanftmütigen, doch
Schlachtruf schleud`re entgegen dem Argen. Kenne Liebe an
ihrem Platz - wie die Stunde des Speers. Mitleidvoll fühle, wo
Notkrallen rissen ein Leid. Hart aber blicke ins Auge des Greifers.
Aushole zum Schlag - nicht zaudere wo finstere Wolke sich
niedersenkt. Krieger sei - wo Kriegeswut vorherrscht. Liebender
sei am heimischen Herd.
Zwiegeteilt ist das Erdenwandern: wie heil ist der Tag und dunkel
die Nacht. Nie wähne, eines von beidem nur sei.
Wahr sprech' ich, will weiter euch weisen, will zeigen, was ist:
Heimsucht Schaddain Erdenwelts Städte und Länder, Meere und
Schluchten, Wüsten und Wälder, Auen und Berge, bricht auf die
Qualquellen, blutdurchtränkt er die Völker, als ein Gott sich
gebärdend. Vielgesichtig die Fratze des Bösen aus den Fugen der
Erde allerorts gafft, vielhäuptig die reißenden Rachen. Kein
Schwertstreich allein taugt, alle zu spalten.
Flammenmeer über den Ländern wird tosen noch manche
Zeiteinhelt, ehe der Wurm vergeht. Arglist nähret des Unwesens
Wanst, macht mächtig den Werfer der Schatten. Wer wollte da
Einhalt gebieten dem Grausen, so lang nicht sich auftut der Krug
klärenden Wassers? Ausharret darum!
Bereitstehen sollt ihr durch alle Zeiten, bis erfüllt sich die Stunde
siegreichen Schwerts. Hoch wehen dann wird die Flagge im
Sturme der endsiegenden Schlacht, wenn Wasserkrugs Strahl
netzt die Erdenwelt.
Fern der Tag, die Stunde des Sieges.
fegende Wolken türmen herbei, Blitze sie speien. Lichtreich!
0 Lichtreich, dem Schiff bricht der Kiel, Trümmer nur landen
am Harmstrand. Auflest die Stücke, sorgsam hütet für neues
Werk: Siegschiff da einst. Wenn der Strahl bläht das Segel
von Jenseits er kommt durch Ilu's Sonne, unsichtbar - dann
ist die Zeit.
Späht durch die Sternenwelt, aufschaut zum Haupte des
Stiers. Die Lanze er bringt. Ausmeßt der Sterne Maß: Vom
Haupte des Stiers bis zum Wasserkrug. Unterrn Mittel ihr
findet den schwarzlila Stein.
Schwarzer Stein, wirkmächtig Kraft. Isais einst barg ihn aus
Höllpfuhls grauser Stätte, überlistend den Fürsten der
Schatten.. der ihn Walhall geraubt. Darbrachte Opfer Isais,
schnitt vom Haupthaar sich Ellenlänge und legte an
Knabenkleidung, um Schaddains Wächter zu täuschen.
Eindrang Isais so in Hölls finsteren Pfuhl, zu retten den
schwarzlila Stein: Gewaltig seine Kraft, gibt Wasserkrugs
Licht.
Heil den Wissenden! Heil den Weisen, die befolgen, was ist
angeraten. Wirkmächtig werden sie sein.
So Frauenhaar bindet magische Kraft, Jenseitsschwingung
fängt ein es im Diesseits. Je länger da wallet in Ebenmaß,
um so mehr lichte Kraft zu gewinnen vermag's doch nicht
unbedroht in finsterer Zeit, weil Schaddain danach lechtzt.
Strömende Geister, magische Schwingungskraft, wählt der
Maiden lang' Haar sich mitunter zum Hort. Ist gut zumeist,
spendet gar viel, gibt Vermögen zu wirken durch Wollen.
Die im Hof und am Herd und im Licht, halten sich's lang.
Doch welche offen wider die Finsternis streiten, mögen's
schneiden ein Stück, wie Isais zur Höllreise tat.
Machtvoll der Mann ist im Kampf mit dem Schwert und kraft
seines Willens magisch indes ist das Weib.
Erkennen euch geben am Himmel die Zeichen. Der Beruf`ne erfühlts, die
Erwählten begreifen's, Sie rufen mich an: "Aus dem Lichte des Mondes, aus
dem
Dunkel der Nacht, kommst du herbei, Schwester Isai, die du immer uns
gesehen, die du unser stets gedacht."
Schwarz erscheint der Stein - und ist doch licht. Urstoffteil - unsagbar
stark.
Manneskraft führt ihn, Weibesart jüngt ihn, macht wirksam da werden Walhalls
Heer, Seiner Heimstatt Volk, Sieg er verleiht tausendjährig andauernd gewiß.
Denn in Wodins Berg ruht die Macht. Stimmenklang vernimmt er, der Erwählten
Zunge, mag Fremdes nicht leiden. Ist nicht sich bewußt und doch
tatengleich; ist
schwarzlila Gestein - doch heil' Lebensmacht. Ich, Isais die Maid, die ich
euch
erwählt, die ich zu euch rede, geb' ihn eurem Stamm.
Wer Isais küßt Mund, Nacken und Haar, wird wiedergeküßt werden von Isais'
Geist. Die Wahren erhör' ich, die Falschen jedoch schlägt meine Kralle.
So ich mich euch zeige, damit Bild ihr könnt formen sei's aus Holz, Erz oder
Stein - zieh in es ein', um als Schwester unter den Wahren zu walten. Doch
den
Falschen komm ich als Pantherin. Bin nahe euch so, bin mit eurem Stamm auf
Jahr, Stunde und Tag - bis erfüllt sich die Zeit.
Wenn Ischtara wird aufgetan haben des Wasserkrugs gläsernen Deckel und
wirksam strahlt schon junges Licht dann Wandel herbeinaht. Dann hat Isais
ihr
Werk vollbracht für die Zeit; Ischtara trägt fortan das Amt. Ihr sollt ihr
dann küssen
Mund, Augen und Haar, der Lichtmächtigen sollt ihr dienen zum Zweck, doch
nicht vergessen Isaiens.
Einige aber, welche die Tapfersten sind, die mögen an meiner Seite
verbleiben.
Aus dem Scheine des Mondlichts ruf' ich sie mir. Aus dem Lichte des Mondes,
so rufen sie mich: Solche sollen's sein, die das Schlimmste nicht fürchten
und
das Schwerste nicht scheuen,
die verzichten auf nahen Frieden und Seligkeit, weil in Grünland
der Kampf noch nicht endet. Ihnen will ich nicht mehr
Schwester bloß sein', sondern Braut und Gemahlin.
Erst wenn erfüllt, was Allvater will, wenn gold`ne Zeit aufgeht
über den Ländern der Erde und in aller Völker Herzen, erst
dann gelt' den Menschen Allvaters Zeichen allein. Fern ist die
Stunde, weit ist der Weg. Noch lang herrscht vor die Nacht der
Verwüstung" ungefesselt brüllet Schaddain.
Sternentöchter und Himmelssöhne, Allvaters Freunde,
Schattenmachts Pein: Hoch steigt der Wille, so Erkenntnis da
webt. Bestimmt ist der Sieger seit ewiger Zeit. Aus dem Haupte
des Stiers, Hilfe euch kommt in Drangsal und Not, der
Artgleichen Waffe. Kinder des Stiers, Isais' Schwestern und
Brüder, die Besten der Stämme dahier. Fern haltet euch von
fremdem Blute, rein bleibe der Stamm, den Isais und Ischtara
lieben, der vorbestimmt ist aus Allvaters Wort.
Himmlisch' Lichtströme allhier das Land durchwirken; gerufen,
gekommen, gehalten, gebunden durch des schwarzen Steins
Band. Am Fuße des Bergs hier, tief verborgen im Fels, soll er
ruhen bis zur Stunde der Zeit, bis Wodin Wort und Tat da
ergreift. Drum ihr sollt Isais' Kuß weiterreichen durch die
Geschlechter des heiligen Stamms; nichts zerteile das
Bündnis.
Spreche euch dies in deutlichen Worten, mein nicht Sinnbild,
sage genau: Treu bleibt der Kindschaft in Allvater stets und der
Geschwisterschaft mein. Und beachtet den Bruder im Stier.
In Grünlands Weiten, Walhall nahe, ausbreitet die Schwingen
Malok, der kühne, Isais' treulicher Kämpe; der bei gefahrvoller
Reise in die Burgen der Höll herbeigeeilte Beschützer, der mich
bewahrt vor dem Schlimmsten, Rettung mir brachte vor
Schaddains Häschern. Doch warn ich, nur zu rufen Malok in
höchster Not und nicht anders als in meinem Namen. Denn
fürchterlich ist er sonst leicht.
Sag's jetzt euch, weil dem Stierhaupt er gleicht, der geflügelte
Krieger, der starke, der kühne, der gewaltige - und doch alleine sich
gilt. Keiner ein Standbild dem Malok errichte ohne auch das der Isais.
Sonst er kann anders kommen, als ihr rufen wollt. Gezügelt, Maloks
Wut wird zum Rechten geleitet, verlangt in meinem Namen und Bild.
Viele Brüder hat Malok und manche Schwestern. Mächtige Wesen,
das Jenseits durchstreifende, Zauberkunst wirkend und mitlenkend
Kampfesgeschicke. Völkerstämme nennen sie oft ihre Götter. Eure
Göttin aber Ischtara heißt Allvaters strahlende Botin.. und eure
heimlich Gefährtin Isais. Sie werdet ihr sehen, wenn die Siegschlacht
geschlagen, zur Feier mit langwogendem Hauptseshaar, eh ich's
zum Weiterkampf abermals kürze. Dies sprech' ich, weil ihr's wissen
müßt, mein Bild stets zu kennen.
Wie ihr es denkt - so erkenne ich mich. Denn alle Gedanken sind in
Grünland zu sehen, wohlverständliche Botschaft und Bilder.
Und beachtet erneut, daß Malok kann werden zu wilder Gewalt, so
Isais' Zügel sollt reißen durch unbedacht Menschenhandeln. Ehre
geben mögt ihr ihm immer, dem einsamen Recken stets war er treu -
doch wisset: Menschengefühle kann Malok nicht kennen. Drum der
Irrufer verschuldet die Irre sich selbst.
Ich spreche zu euch, was zu wissen euch nottut. Merket wohl alles!
Nichts ist zu versäumen.
Drei Flammen laßt brennen zu jeder Zeit, wo vielleicht ein Bildnis des
Malok steht nächst dem meinen. Speeres und Spiegels hohes
Geheimnis ist euch schon von Isais gegeben. Ihr wandelt zwischen
Grünland und Erdenwelt. Weit web ich! Band eurem Streben.
Unsichtbar meist - und doch strenge fest.
Altvordere wußten, ritzten die Runen, hielten Allvater Wort. Bis
fremde Winde den Giftstaub da bliesen hinein in die Gedanken der
Menschenwesen, bis Übelsaat aufging all unter den Völkern.
Aufweckt Erinnern, was lag lange schlafend, neuer Strahl alte Sonne
läßt leuchten,
innere Sonne, inwendig Licht.
Altüberliefert, doch ewiglich jung: Hohen Geschlechts aufragender
Geist. Die Ahnen blicken von drüben. Altvordere wußten, ritzten die
Runen, gaben wohl kund, kenntnisreich überbringend von
vielem, was war, was gewesen vor langer Zeit:
Drei Völkerstämme zu dem Volke sich einten: Landgebor'ne,
Seegebor'ne, Luftgebor'ne da waren..
Die ersten dem alten Boden
entsprossen, die zweiten von ferne gesegelt über das Meer, die
dritten aus dem Sonnland gekommen, vom hohen Turme nahe den
Wolken. Alle sie einte in früher Zeit schon Thale,* die heilige Insel.
Des sich besinnend, sie vereinten sich neu allvatergeführt. Viele
vergaßen's, manche durchschauten es nicht: Ein Volk war es
immer gewesen.
Seit uralter Zeit: Schicksalzerteilt - geschickhaft
wieder geeint.
Erst teilend Geschick war rasend Feuer - allüberall.
Verbrennend die Erde, versengend das Gras, verdunstend die
frischen Gewässer, aufzehnend der Völker Mark.
Zweit teilend
Geschick war stürzende Flut allüberall überschüttend,
strudelreißend, wogenschäumend, brechend hervor aus den
Wolken, herbeitobend aus Flüssen und Meeren. Länderversenkend,
völkerverschlingend.
Dritt teilend Geschick kam mit eisigem Griff:
Grollende Riesen ohne Erbarmen; fliehen mußten die Menschen.
Drei teilend Geschicke teilten ein Volk in drei. Auseinander sie
gingen - wieder sie sich gefunden. Gesandt war zu ihnen - auf
Allvaters Geheiß - Ischtara, wieder zu einen, neu zu bilden
Mitternachts Volk, die Urherren der heiligen Insel.
Weil Wasserkrugs Licht braucht tragende Stärke, so unsichtbar
sich ergießt über die Menschengeschlechter. Da sollen die
Bestimmten wieder vereint sein in goldener Zeit - tausendjährig
gewiß umzuwandeln Wasserkrugs Licht in innerlich Gold. Ischtara
und Isais drum geheißen zu zweit aus Allvaters Wort, einejede in
ihrer Weise, den Helden leitend zu dienen.
Wahr sprech' ich, Isais, Wissensdurst euch zu stillen aus der
Erkenntnis Brunnen:
Weise schickte hinab zu den Menschen Allvater manches mal, sandte
Ischtara auch in des Großkönigs Reich, der die Erde beherrschte von
allen Winden. Bel hieß sein Land. Aufschreiben ließ er, der mächtige
König, wie ward wiedergegeben aus einer Seherin Mund. Hoch bis nach
Thale, zur heiligen Insel, der Großkönig kundbracht' die Botschaft der
Göttin in den Zeitenheiten goldenen Wissens.
Zeiten darauf Finsternisfluch sich nahte den Menschen, als Schaddain
grausame Diener sich kürte und diese ihn nahmen zu ihrem Gott.
Haßwolkenfinsternis die Sterne verdunkelt', Blutrausch erwachte,
Entsetzen den Völkern. Finsterniszeit, Arglist des Trachtens, Bosheit der
Tat:
Schaddains Brut weit sich breitet' aus, gewann Raum. Zu Blutrinnen
wurden die Furchen der Erde; keiner mehr liebte den andren.
Geschlachtet ward gar Allvaters lebendige Botschaft durch die Knechte
des finsteren Grauens. Denn Allvater als Allkrist selbst war's gewesen.
Finsternishaß wider ihn kam zur Wut. Lichtmacht gemartert, Wahrheit
zerstampft, Befreier gebunden - schreckliche Zeit.
Isais hielt Ausschau, von Grünland her, nach wackeren Helden,
ungebeugten. Prüfend sie sah den bestimmten Stamm, zu dessen
Besten sie sich bekennt. Wenige sind's, auf das Ganze gesehen, und
auch daraus geringe an Zahl. Die ich erkannte, durch grünländ'schen
Spiegel: die heilige Schar, ihr gilt mein Herz.
Zu euch ist's gesprochen. Hoch haltet die Wahl, nicht mißachtet die Kür.
Kein andres Geschlecht eures Dienstes könnt walten. Erkenntnis
gewonnen der schwebende Adler einsam über den Wolkenhöhen.
Schweigend betrachten, stille begreifen, wissend vorangehen: So tut der
Weise. Fragen des Tags nächtens finden sich Antwort, wenn eingelegt
Ahnen ruhig aufsteigt dem Geiste.
Mannesschwert, kampferhoben, ist zweierlei: Außen das Erz und innen
der Wille. Nie der Erwählte, der Kluge, der Reife säumt,
der Geschicke Bahn schon von fern zu erspähen. Wer sich kennt, erkennt des
Geschickes verlauf, seine
Bestimmung. Leicht der Nichtkennende strauchelt.
Arbeitsschaffen ist hohen Sinns Tat, ob klein oder groß. Gedeihen sehend
das Werk, ihr euch in ihm
erkennt, schöpft Freude und immer neu Kraft.
Aufmerkt! Vieles sag ich euch nicht alleine aus mir, stehe in Allvaters
Plflicht - zuoberst sein Wort. Danach
erst das Trachten mein. Gewiesen ist, daß auch Ischtara ihr hört. Botin ist
sie zu ihm. Drum gebt ihr Ehre,
Bildnis und Ort. Am Tag vor der Zeit sie mag zu euch noch sprechen, falls
Allvater will. Drum freihaltet ihr
Raum.
Der Ischtara schafft heilige Säule, hoch aufgerichtet gen Himmel, wenn
Wasserkrugs Zeit naht. Dann gehe
über von mir auf sie das Band, dann küsset Ischtara Augen, Lippen und
Scheitel. So Ischtaras Licht leuchte
dem kommenden Frieden wie zuvor dem Kampf Isaiens Glut.
Was euch gesagt aus Isais' Mund: Euch gilt's. Nicht allen Menschen, nicht
allen Völkern. wäget, was zu
wissen ist allen:
Allvaters Überschauen des Weltenheitensgeschehens,
Allvaters Sorge, Allvaters in allem
wirkendes Wesen.
Ischtara und Isais: Sie gelten sonderlich euch. Nicht jeder könnt fassen,
was hier ist verlangt. Nicht lasset
danach greifen die Schwachen. Verschieden sind die Bewohner der Erde,
unterschiedlich, was ihnen
frommt, was ihres Amtes, welcher Weise ihr Werk. Erkennen helft einem
jeden, zu finden das seine; denn
jeglicher hat seinen Ort nach seiner Art.
Verwirren will Schaddains blutdampfende Klaue.
Lug ist ihm zueigen,
Mißgunst lehrt er, schürt den Neid
vom einen zum andren. Lauscht aller Stimmen, jedes Zeichens habt Acht.
Falschheit werfen in die Welt
Schaddains Diener. Vorsicht habt. Nicht vergeßt: Unrein ist die Menge der
Menschen dahier, abfielen sie
alle aus Allvaters Heim.
Groß ist das Übel, ehe Wasserkrugs Strahl hat geklärt;
Hinterlist mannigfach, Verrat häufig,
Tücke bewohnt diese Welt. Unschuldig allein sind die Tiere der
Erde, die Fische des Wassers, die Vögel der Luft und alles,
was da kräucht, springt und läuft. Unschuldig sind auch die
grünend Gewächse. Dies und diese alle sind darum geheiligt.
Isais, mir, steht nahe die Katzenheit, groß und klein.
Solche
weiland standen im Kampfe mir bei gegen die Mächte des
Bösen an Grünlands Gestaden. Im Katzengeschlecht ehrt ihr
auch Isaiens' Art, verwandt sind die Schwingungen beider
Geister.
Wer ist der Stärkste? Wer der mutigste Held? Der ist's, der da
zieht durchs Jenseits und durch Grünlands Gefild' in Allvaters
Kraft, durch treulichen Glauben, den inner' Blick gerichtet zum
himmlischen Reich.
Ewiges Leben ist da versprochen, unverbrüchlich gegeben.
Merket: Es gibt keinen Tod! Sterben heißt Anfang, erneutes
Wandern durch andere Weltengefüge. Nichts schrecke euch,
nichts bereite euch Furcht.
Das Licht leuchtet ewig -
lebendiges Licht Teil davon fest in euch alle gesenkt. Was
Mensch ist auf Erden, Getier und auch grün Gewächs: ewiglich
lebt's immerfort. Bewahret dies selige Wissen.
Heilig sich werden finden am Berg der Versammlung hohe
Fürsten im Schutze der Götter, weise zu walten. Unter des
Weltenbergs heimlichem Schirm, unsichtbar den Augen der
Menschen, unangreifbar da steht, faßbarer Stein, den
Menschen bereit. Aufragt von da des Weltenbaums Wipfel:
Keiner sieht ihn mit irdischem Auge und doch ist er da.
Heilige Stätten, heilige Haine, walllose Tempel: Allvaters Atem
dort anhaucht den Besucher. Da wird der Suchende finden,
ergründen der Himmel Hauch.
Das ist das Ende - wenn diese Welt vergeht Himmel und
Höllpfuhl bleiben bestehen. Und keiner wechselt mehr den Ort.
Das ist das Ende:
Wenn heimgekehrt alles zum Anfang. Das ist das Ende: Wenn erfüllt alle
Wanderwege,
wenn durchschritten einjeder und einejede das Tor, wenn vollbracht jedes
Werk.
Seligen Friedens dann sich alles erfreut, fern aller Leiden, entronnen
jeder Qual:
Wiedergewonnen Allvaters Schoß.
Das ist das Ende. Ewiger Anfang erneut. Licht aus dem Lichte scheint allen
Wesen
aller Wege Erfüllung. Noch fern ist die Zeit. Dies sprach euch Isais, ich,
Grünlands
Maid.
Die Erwählten vermögen's zu fassen.
Geschichtliches, Einleitung, ...
Nun haben wir den Isais-Aspekt ein wenig behandelt. Gewiß, erschöpfend
konnte dies nicht sein, doch alles was daran bedeutsam ist, wurde mit
ernsthaftem Sinn beleuchtet.
So soll noch an eines erinnert sein - an den einzigen aller Isais
zugeordneten Texte,
der, neben der Isais-Offenbarung, auf weitgehend sicherem Boden steht. Es
sind nur
wenige Verse, doch gut zu lesen in schwieriger Zeit.
Isais' Spruch an die Ritterschar :
Hoffnung
-Durch Eisenzeiten werdet ihr gehen, durch grausame, harte,
ohne sonniges Wesen. Es darf euch nicht schrecken. Denn
härter seid ihr.
-Durch hohle Leere werdet ihr gehen, durch Stunden
anscheinend verlorenen Sinns. Es darf euch nicht lähmen.
Denn sinnreich seid ihr.
-Durch steinige Wüsten werdet ihr gehen, trostlos und ohne
Beschirmung. Es darf euch nicht quälen. Denn Trost euch
und Beschirmung seid ihr.
-Durch wütende Stürme werdet ihr gehen, alles, so scheint
es, reißen sie fort. Es darf euch nicht machen klagen und
zagen. Denn reich seid im Inneren doch ihr.
-Durch rohe Gebirge werdet ihr gehen, mitleidlos, schroff das
Gestein. Es darf euch nicht hindern. Denn zäher seid ihr.
-Durch das Leid der Enttäuschung werdet ihr gehen, bereitet
durch Menschentum. Es darf euch nicht beugen. Denn
wahrhaft seid ihr.
-Durch mannigfach Drangsal noch werdet ihr gehen und doch
stets obsiegen. Denn die Hoffnung seid ihr. Und recht
vertrauend.
-Hoffen zieht an.. meine und der Götter Kräfte. Dies merkt
drum: Allzeit Hoffnung sei stark. Nichts dann könnt euch
bezwingen.